Aus einer Niederlage eine Chance machen

Wie in sechs Schritten aus einer Niederlage eine große Chance wird

In jeder Krise steckt die Chance auf einen Neuanfang – und in jeder Niederlage liegt die Möglichkeit, stärker wiederzukehren. Diese Sätze kennst Du bestimmt. Aber wenn es dann soweit ist, ist es schwierig, wirklich daran zu glauben. Zu schwer wiegt die Schmach, die Frustration und oft auch die Trauer. Sei es nun eine persönliche Niederlage, der Verlust eines Arbeitsplatzes, eine nicht bestandene Prüfung oder vieles mehr. Gerade auch eine Niederlage nach einem anstrengenden und kräftezehrenden Wahlkampf ist schwer zu ertragen – wer nicht selbst einmal in der Politik aktiv war, kann sich dies selbst so kaum vorstellen.

Aber erst, wenn man sich von einer Niederlage und einem Misserfolg gefangen nehmen lässt, wird daraus etwas wirklich schlimmes, etwas dauerhaftes. Die starken Gefühle in einer solchen Situation kannst Du aber nutzen und sie in etwas Gutes, etwas Positives verwandeln. Ich habe Dir einmal fünf Punkte aufgeschrieben, wie Du die Chance auf einen Neuanfang kraftvoll nutzen kannst und welche Fehler Du auf gar keinen Fall machen solltest.

1. Erkenne die Niederlage wirklich an

Es hilft alles nichts – Du hast verloren. Es ist wichtig, dass Du das akzeptierst und nicht die Augen davor verschließt. Egal wie die Rahmenbedingungen waren, egal was passiert ist – am Ende hast Du gerade verloren. Wenn Du nun den Kopf in den Sand steckst, wirst Du zwar weiterhin verloren haben – aber auch niemals die richtigen Schlüsse daraus ziehen können. Ich habe das oft erlebt, dass nach einer Niederlage Menschen die Schuld überall gesucht haben, es auf die bösen Umstände geschoben haben und für sich selbst fest überzeugt waren, eigentlich garnicht wirklich verloren zu haben. Das Ergebnis habe zwar nicht gestimmt, aber verloren? Nein! Wenn Du diese Selbstverleugnung betreibst, verlierst Du allerdings gleich noch einmal.

Wenn Du einen Moment brauchst, damit klar zu kommen, dass Du gerade eine Niederlage hast einstecken müssen, ist das völlig ok. Tränen sind erlaubt! Trauer ist nur menschlich, vor allem wenn Du mit ganzem Herzen und viel Engagement dabei warst. Brauchst Du eine Pause? Gönn sie Dir – wie auch immer sie aussieht. Schalte ein paar Tage ab, versuch den Kopf frei zu bekommen. Denke an die guten Momente vor Deiner Niederlage – und sei dankbar, dass Du sie erleben durftest.

Diese Zeit der Trauer ist wichtig, sie muss aber zeitlich begrenzt sein. Zu Atem zu kommen darf nicht bedeuten, in ein tiefes Loch zu fallen. Setz Dir eine Grenze, ein Limit, ein Zeitraum – und widme Dich dann Schritt zwei.

2. Analysiere schonungslos, warum Du verloren hast

Es sind ja eigentlich immer alle anderen schuld, oder? Die Umstände, die Zeit, die bösen Medien, alle haben Dich missverstanden. Denn eigentlich hattest Du doch das beste Angebot, oder? Nein. Sonst hättest Du nicht verloren! Dass Du unterlegen bist, liegt in aller Regel vor allem an Dir selbst und an Deinem Angebot. Klingt das frustrierend? Sollte es nicht. Viel frustrierender wäre es doch, wenn es wirklich zutreffen würde, dass Du selbst keine Schuld hattest. Denn das würde bedeuten, dass Du Dich noch so anstrengen könntest und dennoch nie gewinnen können wirst. Weißt Du, wie aus Verlierern am Ende Sieger werden? Wenn sie ihre Fehler erkennen und abstellen. Deshalb hast Du jetzt ein hartes Stück Arbeit vor Dir: Du musst schonungslos analysieren, warum Du verloren hast. Schaue Dir genau an, was passiert ist und wo es zu Problemen gekommen ist – und warum Du sie im entscheidenden Moment nicht hast lösen oder beseitigen können. Mir hilft dann immer, mit anderen Menschen zu sprechen. Wirklich wertvoll sind diese Gespräche aber natürlich nur dann, wenn Dein Gegenüber ehrlich und auch ziemlich direkt ist. Komplimente und Beschönigungen helfen hier nicht.

Schreib Dir am besten genau auf, woran es gehakt hat – so konkret und kompakt wie möglich. Daraus machst Du eine Liste mit den wichtigsten Gründen für Deine Niederlage – jeder Grund sollte nur einen Satz lang sein und wirklich kompakt und ehrlich sein.

3. Halte fest, was gut gelaufen ist

Nur eine Liste mit all Deinen Fehlern zu haben, reicht nicht. Jetzt solltest Du analysieren, was gut gelaufen ist. Wo waren Deine Stärken? Was hast Du so richtig toll gemacht? Wo hast Du geglänzt? Klar – es hat nicht gereicht, aber das bedeutet ja nicht, dass alles schlecht war. Häufig ist viel mehr gut gelaufen, als Du selbst zunächst glauben magst. Mach Dir jetzt eine konkrete Liste, wo Du Deine Stärken hattest!

4. Erkenne, was Du hättest tun müssen!

„Hätte hätte Fahradkette, es hat jetzt keinen Sinn nach hinten zu schauen, wir müssen nach vorne schauen!“ – Was für ein Blödsinn ist dieser Satz?! Wie willst Du aus einer Niederlage ernsthaft lernen, wenn Du nicht wenigstens im Nachhinein erkennst, wie Du die Niederlage hättest abwenden können? Geschichte wiederholt sich – Fehler sollten es aber besser nicht. Du hast gerade eine Liste mit Deinen Fehlern und Deinen Stärken angelegt. Überlege Dir also jetzt ganz konkret, was Du hättest besser machen können. Auch das kannst Du am besten, wenn Du nicht alleine bist. Mache dies mit anderen zusammen, dann lernst Du auch von deren Ideen und Erfahrungen. Überlege Dir, welche Deiner Stärken Du noch weiter hättest nutzen können und wo Du wirklich Defizite hättest abstellen müssen.

So arbeitest Du die Vergangenheit auf, statt sie zu vergraben.

5. Setze Dir neue Ziele

Jetzt wird es Zeit, in die Zukunft zu schauen. Wenn Du die drei ersten Schritte wirklich konsequent und gewissenhaft ausgeführt hast, wirst Du feststellen, dass bereits jetzt ganz schön viel in Bewegung gekommen ist. Du hast bisherige Verhaltensmuster in Frage gestellt und Dich selbst überprüft. Vor Deiner Niederlage hattest Du bestimmt ein oder mehrere Ziele. Da hat sich jetzt bestimmt einiges getan. Manchmal hat sich ein Ziel mit einer Niederlage ja auch erledigt, weil es keine zweite Chance gibt. Deshalb solltest Du Dir nun neue Ziele setzen oder die alten aktualisieren. Erinnere Dich, Ziele müssen immer ganz bestimmte Kriterien erfüllen – vor allem müssen sie erreichbar und konkret messbar sein. Schreibe Dir Deine Ziele genau auf und lege fest, in welchen Abständen Du sie überprüfen wirst.

6. Mach Dir einen Plan!

Nutze jetzt all die neugewonnene Erfahrung, nutze Deine gesammelten Erkenntnisse – und erstelle Dir einen Plan, wie Du Deine Ziele erreichen willst. Du hast jetzt eine neue Chance, es besser zu machen! Du hast bestimmt im Laufe des Prozesses öfters gedacht: „Hätte ich das mal besser anders gemacht…“. Jetzt hast Du die Möglichkeit, dies zu realisieren. Du kannst jetzt alle Fehler, die Du vorher gemacht hast, umgehen und es genau so machen, wie Du es Dir überlegt hast. Die Erfahrung der Niederlage wird so plötzlich zu etwas wertvollen und zu einer echten Stärke. Deine Mitbewerber haben diese Erfahrung vielleicht nicht – und Du hast ihnen etwas vorraus.

Fazit

Eine Niederlage schmerzt, sie tut weh. Sie ist eine starke und schwere Erfahrung. Aber du kannst diese Energie nutzen und daraus etwas wertvolles machen. Du kannst die richtigen Konsequenzen daraus ziehen und am Ende wirst Du stärker sein als vorher. Menschen, die immer nur gewinnen, wissen vielleicht garnicht, warum. Sie wissen das Gefühl auch garnicht zu schätzen. Das wird Dir ab jetzt sicher anders gehen. Nutze diese Chance und nutze die Kraft und die Bewegung einer Niederlage, bisherige Verhaltensmuster zu hinterfragen und verkrustete Strukturen aufzubrechen. Dazu musst Du aber gewissenhaft und konsequent sein – und vor allem ehrlich zu Dir selbst.

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