Rhetorik: 5 wirkungsvolle Formeln für Deine Reden

Rhetorik

Martin Luther hat es auf den Punkt gebracht: „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf.“ Dies ist die vermutlich einfachste Formel, wie Du eine perfekte Rede hältst! Leider ist die Rhetorik nicht immer ganz so einfach und es gibt durchaus noch weitere Regeln zu beachten. Einige habe ich Dir bereits hier auf meinem Blog vorgestellt.

Heute möchte ich Dir 5 rhetorische Formeln vorstellen und zeigen, wie Du eine Rede perfekt inhaltlich aufbaust. Mit diesen Formeln wird es Dir möglich sein, sowohl interessante und gut klingende Reden zu halten, als auch inhaltlich zu überzeugen.

Diese Redeformeln kannst Du einsetzen, wenn Du eine Rede im Vorfeld schreibst – aber auch, wenn Du aus dem Stegreif sprechen musst. Wenn Du Dir mindestens eine der Formeln einprägst, hast Du immer eine schnelle, wirkungsvolle Grundstruktur zur Hand und wirst Deine Zuhörer mit einer scheinbar perfekt vorbereiteten Rede überraschen.

Ich werde alle Formeln anhand des gleichen Beispiels erläutern, so kannst Du die Unterschiede besonders gut erkennen. Dabei geht es um eine Bürgerversammlung, bei der ein Redner eine Spielstraße einrichten will. Los geht’s!

1. – Die Fünf-Schritte-Formel

Die Fünf-Schritte-Formel ist eine der einfachsten Formeln in der Rhetorik überhaupt und kann universal angewendet werden. Sie gibt Dir einen simplen roten Faden an die Hand, damit Du Dich beim argumentieren nicht verzettelst.

Die Formel:

1. Interesse wecken

2. Sagen, worum es geht

3. Begründung und Beispiele

4. Fazit

5. Aufforderung zum Handeln

Erklärung:

Du solltest Deine Rede immer so beginnen, dass die Zuhörer Interesse bekommen. Sage also irgendetwas, was unerwartet oder witzig, provokant oder besonders überraschend ist. Ja, das ist nicht immer leicht. Aber so kannst Du sicherstellen, dass man Dir zuhört! Im Zweiten Schritt leitest Du dann in das Thema ein und beschreibst, was Du erreichen willst – erst danach kommt eine Begründung, die mit Beispielen unterfüttert wird. Im vierten Schritt bringst Du diese beiden Elemente noch einmal zusammen und ziehst ein Fazit. Damit ist es aber nicht getan – jetzt kommt ein wichtiger Teil der Formel: Die Aufforderung zum Handeln!

Beispiel:

(1) Meine zehnjährige Tochter ist gestern fast von einem Auto überfahren worden, die quietschenden Bremsen und das entsetzte Weinen von Lena werde ich nie vergessen. (2) Wir wohnen in der Musterstraße und wir müssen etwas gegen den gefährlichen Straßenverkehr dort tun! (3) Jeden Tag fahren durch unsere Straße hunderte Autos, viele davon sind viel zu schnell. Es wohnen bei uns aber viele Kinder, die jeden Tag draussen spielen und Fahrrad fahren. Als ich vorher losgefahren bin, habe ich wieder bestimmt 10 Kinder dort gesehen. (4) Wir müssen unsere Kinder schützen, eine Lösung könnte die Einrichtung einer Spielstraße sein! Dies schlage ich hiermit vor. (5) Lasst uns zusammen für eine Spielstraße kämpfen und jetzt den Start einer Unterschriftenkampagne beschließen!“ 

2. – Die Problemlösungs-Formel

Die Problemlösung-Formel ist ein Werkzeug in der Rhetorik, mit dem man noch eleganter als bei der einfachen Fünf-Schritte-Formel ein bestimmtes Ziel erreichen kann. Sie passt, wenn alle Zuhörer vom eigentlichen Ziel nur wenig überzeugt werden müssen – die Problemlösung selbst aber strittig ist.

Die Formel:

1. Interesse wecken

2. Problem darlegen

3. Ziel, um das Problem zu lösen

4. Verschiedene Lösungsvorschläge mit Bewertung

5. Entscheidung für eine Lösungsvariante

6. Aufforderung zum Handeln

Erklärung:

Der Kniff ist, dass hier bereits verschiedene Lösungen präsentiert werden und der Redner am Ende einen dieser Wege als den besten präsentieren kann. Die Zuhörer werden scheinbar in einen Entscheidungsprozess eingebunden und mögliche Gegenvorschläge massiv erschwert. Mein Tipp: Die passende Lösung immer als letztes präsentieren.

Das Interesse am Beginn und die Aufforderung zum Handeln am Ende bleiben bestehen – wie bei allen weiteren Formeln.

Beispiel:

(1) Meine zehnjährige Tochter ist gestern fast von einem Auto überfahren worden, die quietschenden Bremsen und das entsetzte Weinen von Lena werde ich nie vergessen. (2) Wir wohnen in der Musterstraße und wir müssen etwas gegen den gefährlichen Straßenverkehr dort tun! Jeden Tag fahren durch unsere Straße hunderte Autos, viele davon sind viel zu schnell. Es wohnen bei uns aber viele Kinder, die jeden Tag draussen spielen und Fahrrad fahren. Als ich vorher losgefahren bin, habe ich wieder bestimmt 10 Kinder dort gesehen. (3) Wir müssen unsere Kinder schützen. Dafür müssen wir erreichen, dass dort weniger Autos fahren und die Geschwindigkeit stark reduziert wird! (4) (a) Eine Lösung könnte sein, einen Blitzer – also eine Radarfalle aufzubauen. Dies würde sicherlich an der Stelle die Geschwindigkeit verringern, aber vor und nach dem Blitzer fahren die Autos immer noch sehr schnell. Außerdem ist die erlaubte Geschwindigkeit viel zu hoch. (b) Deshalb könnten wir natürlich auch Tempo 30 fordern. Allerdings ist das immer noch sehr schnell und die Autos hätten nach wie vor die Vorfahrt. (c) Dann kam mir die Idee, eine Spielstraße einzurichten. Das würde bedeuten, dass Autos Schrittgeschwindigkeit fahren müssen und unsere Kinder immer das Vorrecht auf der Straße haben. (5) Ich bin überzeugt, eine Spielstraße ist genau die passende Lösung für uns. Sie schützt am besten und hat die wenigsten Nachteile! Deshalb schlage ich hiermit vor, dass wir uns für eine solche Spielstraße einsetzen. (6) Lasst uns zusammen für eine Spielstraße kämpfen und jetzt den Start einer Unterschriftenkampagne beschließen!“ 

3. – Die Pro-&-Kontra-Formel

Bereits in der vorherigen Formel haben wir mit verschiedenen Argumenten und Lösungsvorschlägen gearbeitet. Mit der Pro & Kontra Formel können wir reagieren, wenn die eigentliche Problemlage strittig ist.

Die Formel:

1. Interesse wecken

2. Problem darlegen

3. Gegenposition darstellen

4. Hauptargument der Gegenseite entkräften

5. Eigene Position formulieren

6. Eigene Position überzeugend begründen

5. Fazit mit Folgerungen ziehen

5. Aufforderung zum Handeln

Erklärung:

Versuche, immer als erstes zu sprechen, wenn Du diese Formel einsetzen willst. Dann kannst Du der Gegenseite jeden Wind aus den Segeln nehmen und die Zuhörer werden bei nachfolgenden Redebeiträgen denken: „Dazu wurde doch schon alles gesagt“. Indem Du den vermeintlichen Argumenten der Gegenseite Raum einräumst, kannst Du sie direkt entkräften und ganz die Stimmung unter den Zuhörern beeinflussen.

Beispiel:

(1) Meine zehnjährige Tochter ist gestern fast von einem Auto überfahren worden, die quietschenden Bremsen und das entsetzte Weinen von Lena werde ich nie vergessen. (2) Wir wohnen in der Musterstraße, dort fahren jeden Tag hunderte Autos mit hohem Tempo durch. Es wohnen bei uns aber viele Kinder, die jeden Tag draussen spielen und Fahrrad fahren.  (3) Ein funktionierender Verkehr ist wichtig und zu viele Regulierungen stören. Außerdem haben die Eltern natürlich eine Aufsichtspflicht und auch Kinder müssen lernen, im Straßenverkehr zurecht zu finden. (4) Aber gerade dies ist ja das Problem. Die Straße führt mitten durch ein Wohngebiet und die Kinder sollten die Möglichkeit bekommen, zunächst einmal in einem geschütztem Bereich groß zu werden und sich langsam an den Straßenverkehr zu gewöhnen. Eltern können nicht überall sein – und sollen es auch garnicht. Die Strecke ist für unser Verkehrsnetz nicht wichtig. (5) Ich sehe es so: Das Tempo und der Verkehr muss auf unserer Straße deutlich reduziert werden, am besten mit der Einrichtung einer Spielstraße. (6) So ermöglich wir es unseren Kindern, noch wirklich Kind sein zu können und unbeschwert draußen zu spielen. Sie erleben so den Straßenverkehr zunächst viel langsamer und sicherer, als bisher. So lernen sie, damit umzugehen. Für das Verkehrsnetz wäre dies ohne Probleme möglich, der Verkehr würde so auf die Umgehungsstraße geleitet. (7) Wir sollten uns daher für eine solche Spielstraße aussprechen, sie ist die beste Lösung, das Problem zu beheben. Wie wir gesehen haben, gibt es keine Argumente, die ernsthaft gegen eine solche Spielstraße sprechen. (8) Lasst uns daher für diese Lösung kämpfen und eine Unterschriftenaktion starten!“

4. – Die AIDA-Formel

Diese Formel ist sehr prominent und kommt in vielen weiteren Bereichen der Öffentlichkeitsarbeit vor. Sie ist kurz, prägnant und wirksam. Eine echte Allround-Formel! Der Name leitet sich von den englischen Begriffen des Originals ab.

Die Formel:

1. Attention – Aufmerksamkeit erzeugen

2. Interest – Persönliches Interesse wecken

3. Desire – Verlangen erzeugen

4. Action – Aufforderung zum Handeln

Erklärung:

Die Wirkung dieser Formel beruht darauf, bei den Zuhörern zunächst die persönliche Betroffenheit zu wecken, also die Frage „Was geht mich das an?“ zu beantworten. Danach wird ein Verlangen ausgelöst, indem Motivation und Nutzen einer Problemlösung für die Zuhörer gezeigt werden. Am Ende steht die Aufforderung, zu handeln.

Beispiel:

(1) Meine zehnjährige Tochter ist gestern fast von einem Auto überfahren worden, die quietschenden Bremsen und das entsetzte Weinen von Lena werde ich nie vergessen. (2) Haben Sie auch Kinder? Oder besuchen Ihre Enkel sie vielleicht regelmäßig? Wie auch immer Ihre ganz persönliche Situation ist, selbst wenn Sie nicht in unserer Nachbarschaft wohnen, ist es Ihnen nicht auch ein Anliegen, Kinder zu schützen? Wir wohnen in einer Straße, in der viel zu viele Autos durchfahren, teilweise mit zu hoher Geschwindigkeit. Vielleicht fahren Sie auch regelmäßig hier vorbei – und irgendwann rennt eines unserer Kinder Ihnen ins Auto. (3) Stellen Sie sich einmal vor, wir hätten eine Straße, in der Kinder sicher spielen können – ganz ohne Angst, ohne Abgase und ohne, dass ihnen was passiert. Dies lässt sich realisieren und wir alle hätten etwas davon. Mit einer Spielstraße können unsere Kinder geschützt werden und auch für die Autofahrer wird es leichter, aufzupassen. Niemand wird mehr hinter ihnen hupen oder drängeln, wenn Sie vorsichtig sind. (4) Deshalb lasst uns nun gemeinsam handeln und eine solche Spielstraße fordern – und direkt mit einer Unterschriftenkampagne anfangen!“

5. – Die Drei-Zeiten-Formel

Auch diese Formel appelliert stark an Gefühle und Sehnsüchte der Zuhörer. Dabei ist sie angenehm kurz und einfach zu merken.

Die Formel:

1. Aufmerksamkeit wecken

2. Vergangenheit – So war es früher

3. Gegenwart – So sieht es heute aus

4. Zukunft – Das können wir erreichen

5. Aufforderung zum Handeln

Erklärung:

Diese Rhetorik-Formel eignet sich perfekt für visionäre Reden. Du kannst Sie außerdem einsetzen, wenn Du eine positive Rede über Deine Leistungen halten möchtest. Du zeigst, wo wir herkommen und was wir bisher erreicht haben. Mit dem Blick in die Zukunft weckst Du das Verlangen Deiner Zuhörer, Dich auch weiter zu unterstützen.

Beispiel:

(1) Vor vier Jahren haben wir gemeinsam um Lena getrauert. Sie ist beim Spielen von einem Raser überfahren worden. (2) Erinnern Sie sich, wie damals die Musterstraße ausgesehen hat? Hunderte Autos sind dort durchgefahren, viel zu schnell. Wir hatten ständig Unfälle und Verletzte. (3) Heute ist es schon viel besser geworden. Es wurde eine Tempo-30 Zone eingerichtet, auch die Geschwindigkeitskontrollen haben geholfen. Der Verkehr ist zurückgegangen, unsere Kinder sind heute viel sicherer. (4) Aber stellen Sie sich einmal vor, wie es wäre, wenn wir heute in weiteren vier Jahren zurückblicken und kein einziger Unfall mehr passiert ist? Wenn wir sehen können, wie unsere Kinder völlig frei und sicher draußen spielen können und so eine unbeschwerte Kindheit erleben? (5) Lasst uns deshalb gemeinsam jetzt für eine Spielstraße eintreten und Unterschriften sammeln!“

Fazit: Rhetorik einfach strukturiert

Mit diesen 5 Rhetorik-Formeln ist es doch garnicht mehr schwer, eine Rede gut zu strukturieren – oder? Am besten übst Du diese Formeln anhand von verschiedenen Beispielen und prägst sie Dir genau ein. Dann hast Du sie immer sofort parat. Übrigens: Diese Formeln sind nicht nur in der Rhetorik hilfreich, sondern auch beim Aufbau von Kampagnen. Wenn Du einen Wahlkampf oder eine andere Kampagne so strukturierst, wirst Du viel überzeugender!



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