Igitt, ein Politiker! Warum Du Dich nicht vor Dir selbst ekeln darfst!

Politik

Ich möchte heute ein etwas delikates Problem ansprechen. Viele Politikerinnen und Politiker scheinen sich vor sich selbst und dem was sie tun etwas zu ekeln. Oder sie fühlen sich wenigstens ein bisschen unwohl. Ganz aktuell habe ich dies erst gestern wieder im Gespräch mit einem Landtagsabgeordneten gemerkt. Wir sprachen über Storytelling und darüber, dass man dabei am besten jemand anderes ins Zentrum der Geschichte stellen sollte. Wenn Du etwas über zu wenige Kita-Plätze sagen möchtest, erzähle doch die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die verzweifelt einen Betreuungsplatz für ihr Kind sucht und wieder arbeiten gehen möchte. Oder wenn Du einen Besuch in einem Verein vor Ort machst, erzähle von einem besonders engagierten und beeindruckenden Vereinsmitglied.

„Ich will ja nicht instrumentalisieren…“

Die Reaktion war: „Ja, das klingt ja gut – aber ich scheue davor immer etwas zurück, weil ich möchte diese Menschen ja nicht instrumentalisieren.“ Wie bitte? Instrumentalisieren? Leider höre ich das oft. Politiker sprechen davon, dass sie etwas „ehrlich für die Menschen“ machen wollen, ohne an Öffentlichkeitsarbeit zu denken. Und noch viel verbreiteter ist dieser latente Ekel vor der Politik bei anderen Menschen. Hast Du mal versucht, ein Plakat für ein Kinderfest Deines Ortsvereins aufzuhängen? Geschäfte und Läden vor Ort machen dies eigentlich sehr gerne. Jedenfalls wenn das Kinderfest von der örtlichen Kirche, einem Verein, einem Kindergarten oder von der Stadt organisiert ist. Steht auf dem Plakat aber ein Name wie „SPD“ oder „CDU“ heißt es in aller Regel sofort: „Nee, das machen wir nicht.“ Diese Einstellung zieht sich durch. Sobald irgendwo das Label „Politik“ oder gar „Partei“ drauf steht, ist es gleich etwas anrüchig. Man spricht ja auch nicht darüber, wen oder was man wählt. Auch das ist ja etwas anrüchig. Eigentlich sollte man sich immer nach einem Kontakt mit einem Politiker die Hände waschen, oder?

Ich kann diese Grundhaltung schon bei den Menschen, die nichts mit Politik zu tun haben, nicht verstehen. Denn Politik geht uns alle an, Politik ist für uns alle wichtig und Demokratie lebt von Parteinahme. Jeder von uns sollte offen dazu stehen können, welcher Partei er angehört – und das wiederum sollte zu keiner Diskriminierung führen. Als SPD-Mitglied würde ich mit Freude ein Plakat für eine Veranstaltung der CDU aufhängen. Es geht hier um Demokratie und Gesellschaft.
Wo aber kommen wir hin, wenn wir in der Politik dieses unschöne Spiel mitspielen? Wenn wir uns anfangen, vor uns selber zu ekeln und das, was wir tun, anrüchig finden? Richtig, damit machen wir es doch nur schlimmer! Wir bestätigen diesen Eindruck damit ja nur. So nach dem Motto: „Wenn selbst der das so sieht…“.

Sei stolz!

Wir müssen zurückfinden zu einem gesunden Verhältnis zu uns selbst. Wir müssen stolz dazu stehen, dass wir in der Politik sind und uns dafür engagieren, dass das richtige getan wird. Das Wort „instrumentalisieren“ klingt per se nach etwas negativem. Hat sich je irgendwer beschwert, dass er instrumentalisiert wurde, um hungernden Kindern in Afrika zu helfen? Oder gar instrumentalisiert wurde, bei einem Unfall erste Hilfe zu leisten? Als Politiker sollten wir doch sagen: „Wir wollen etwas gutes. Wir glauben an unsere Inhalte und unseren Weg.“ Da kann man niemand instrumentalisieren. Man kann nur jemand bitten, zu helfen.

Wenn Du also das nächste mal das Gefühl hast, Du würdest jemand für Deine politischen Zwecke instrumentalisieren, weil Du fragst, ob Du eine Geschichte oder einen Besuch verwenden darfst, dann halte kurz inne und formuliere Deine Frage um. Frage Deinen Gegenüber: „Würden Sie mir helfen, meine politischen Ziele zu erreichen?“.

Wenn Du selbstbewusst und stolz bist, kannst Du auch Menschen überzeugen. Wenn Du Dich vor Dir selbst ekelst, wird das den Menschen nicht anders gehen.

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