Sprache: Wenn die Politik sich viel zu weit vom Bürger entfernt

Sprache gehört zur Politik und Sprache gehört zur Öffentlichkeitsarbeit. Eigentlich müsste beides dann eine perfekte Verbindung sein – oder? Leider weit gefehlt. Die Sprache, die heute meist in der Politik genutzt wird, hat mit guter Öffentlichkeitsarbeit nichts zu tun: distanziert, abgehoben, schwer verständlich, wenig konkret. Das Problem ist: Das tut weder der Öffentlichkeitsarbeit gut, noch der Politik selbst. Es wird Zeit, dies zu ändern!

Warum so distanziert?

Es fängt mit Kleinigkeiten an. Ein Klassiker ist es, wenn Landtags- oder Bundestagsabgeordnete von sich in dritter Person sprechen. „Der Abgeordnete hat…“. Diese Sprech- und Denkweise zieht sich dann auch durch alle Texte – und aus dem Menschen Max Mustermann wird Max Mustermann MdL (SPD). Wo sind denn da bitte plötzlich Abkürzung und Klammern an diesem Menschen angewachsen? Und warum? Da draussen interessiert sich niemand für diese wichtig klingenden Abkürzungen, sie schrecken nur ab. Genauso wenig sind diese immer wieder gleichen Phrasen sinnvoll: „Der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Max Mustermann…“ Am besten gleich mehrfach in einem Text. Noch schlimmer, und durchaus oft gelesen, ist folgende Bezeichnung: „Der Politiker…“ oder gar „Der Funktionär…“.

All diese Formulierungen sind fürchterlich distanziert und sagen den Leserinnen und Lesern eigentlich nur „wir haben mit Euch nichts zu tun“. Titel und Ämter sorgen nur bei einer einzigen Person für einen wohligen Schauer, nämlich bei der Person, der diese Titel selbst trägt. Natürlich: Man muss schreiben und benennen, was jemand tut und welches Amt er oder sie hat. Aber das muss sich nicht wie ein roter Faden durch einen Text ziehen.

Abkürzungen und Fremdwörter

Ähnlich verhält es sich mit Abkürzungen. Man kann ganze Sätze mit politischen Abkürzungen füllen. Der SPD MdL war bei der LDK der JUSOS zu Gast, als er die TO gesehen hat, hat er mittels Antrag zur GO versucht zu erreichen, dass er als PGF seine Erfahrung bei der Wahl des LV in die MPZK einbringen kann. 

Ok. Das Beispiel ist konstruiert – soll aber zeigen: Die Zahl der Abkürzungen in der Politik ist enorm. Genau wie die Verwendung von Fremdwörtern. Das Plenum beriet über den Antrag, das Quorum bei Plebisziten signifikant abzusenken und stimmte per Akklamation darüber ab. Äh. Ja. Sagt doch einfach, um was es Euch geht!  

Bemüht Euch um eine leicht zu verstehende Sprache. Wichtig und inhaltlich wertvoll kann dies nämlich dann trotzdem sein.

5 Kommentare zu „Sprache: Wenn die Politik sich viel zu weit vom Bürger entfernt“

    1. Leif Neugebohrn

      Die Sprache sollte genau die sein, dir wir auch täglich nutzen – und die damit auch die Leserinnen und Leser nutzen. Versuch Dich mal selbst zu beobachten – sprichst und denkst Du in komplizierten Wendungen, mit Fremdwörtern und Abkürzungen? Denkst Du in Titeln?

  1. Pingback: Politische Rituale: Nehmt Euch nicht so wichtig!

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