So verändert Corona den Wahlkampf

Wahlkampf ist sicher nicht das drängenste Problem in der Corona-Krise. Aber für alle, die in den kommenden Monaten bei einer Wahl kandidieren, stellt sich eben trotzdem die Frage: Wie verändert Corona den Wahlkampf? Können wir überhaupt Wahlkampf machen? Darum geht es in diesem Blogartikel.

Corona Wahlkampf

Ist Wahlkampf während der Krise legitim?

Die Corona-Epidemie hat Europa und die ganze Welt in eine unfassbare Krise geworfen. Die schlimmsten Auswirkungen: Menschen werden krank, ringen mit dem Leben und viele sterben. Die immer neuen Zahlen erschüttern mich jeden Tag. Auch die Auswirkungen auf das Leben derer, die nicht krank werden, sind dramatisch. Menschen verlieren ihre berufliche Existenz, Familien werden auseinandergerissen, das ganze Leben hat sich verändert. In einer solchen Situation nun an Wahlkampf denken? Das ist schwierig. Aber trotzdem wichtig. Wahlkampf ist ein zentraler Bestandteil unserer Demokratie. Die Corona-Epidemie ist eine Gesundheitskrise, sicher auch eine Wirtschafts- und Gesellschaftskrise. Sie darf aber nicht zur Demokratiekrise werden.

Wahlkampf hat schon außerhalb von Krisenzeiten keinen guten Ruf. Das finde ich auch da immer schon sehr schade – auch wenn mir bewusst ist, dass die Politik daran selbst einen großen Anteil hat. Dabei ist Wahlkampf eigentlich vor allem eines: Ein Wettstreit der besten Ideen und Konzepte, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen. Und die Bewerbung der Menschen, die diese Konzepte umsetzen wollen.

Die Legitimation zum Handeln

Gerade in Krisenzeiten ist es unglaublich wichtig, dass wir genau dies tun. Nur so behält unser Staat die gerade so unglaublich wichtige Legitimation zu handeln. Nur so können wir unsere Demokratie und damit unsere Gesellschaft zusammenhalten. Ja, Wahlkampf ist legitim in der Krise. Er ist sogar unerlässlich. Lassen wir uns dies nicht klein reden oder gar in ein schmuddeliges Licht stellen – sondern selbstbewusst und stolz Wahlkampf machen.

Krisenkommunikation?

Übrigens: Es gibt einen großen Unterschied zwischen Wahlkampf und Werbung auf der einen Seite und Krisenkommunikation auf der anderen Seite. Gerade wenn Du momentan keinen Wahlkampf vor Dir hast, solltest Du vor allem in den Krisenkommunikationsmodus schalten. Wenn Du dazu mehr wissen willst, kannst Du das in diesem Blogartikel zu Krisenkommunikation von mir nachlesen.

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Wir brauchen eine andere Tonart

Und trotzdem. Wahlkampf in der Krise muss anders klingen, muss eine andere Tonart anschlagen. Wir müssen sachlich, fair und respektvoll um die besten Ideen und die besten Personalvorschläge ringen. Während tausende Menschen mit dem Leben kämpfen und unzählige Existenzen bedroht sind, verbietet es sich, mit der üblichen Schärfe, Polemik und – ja – Verachtung Wahlkampf zu machen, wie es sonst leider häufig praktiziert wird. Gerade jetzt ist ein gesellschaftlicher Zusammenhalt extrem wichtig. Das dürfen wir auch im Wahlkampf nicht aufs Spiel setzen.

Mein dringender Rat daher: Sprich vor allem über Deine eigenen Ideen und Vorschläge. Zeige, was Dein Programm bewirken würde und sprich über Deine Erfolge. Du brauchst Deinen Wählerinnen und Wählern nicht noch zu erklären, warum die anderen alle ungeeignet und blöd seien. Das spaltet nur und wird die Menschen momentan noch viel mehr abstoßen, als es das schon in normaleren Zeiten tut. Zeig den Menschen, dass Du Dich der schwierigen Situation bewusst bist und dass Du verantwortungsvoll damit umgehst.

Weniger werbend auftreten

Zu dieser neuen Tonart gehört auch, dass Du weniger aggressiv-werbend auftrittst. Vermeide Formulierungen und Formen, die zu sehr nach Werbung klingen. Ich bin momentan beispielsweise mit Slogans erst recht vorsichtig. Auch die Optik sollte weniger marktschreierisch wirken.

Verantwortungsvoll durch die Krise führen

Mehr denn je wollen die Menschen nun auch starke Politiker, die ruhig und konsequent durch die Krise führen. Es ist also die Zeit, staatstragender aufzutreten und Führungsstärke zu beweisen. Zeige den Menschen, dass sie sich auf Dich verlassen können und Du geeignet bist, in dieser schwierigen Zeit Verantwortung zu übernehmen. Dies kannst Du auch aus der Opposition heraus tun und als Herausforderer. Menschen sehnen sich nun nach Stabilität und Sicherheit. Ja natürlich – gerade für Amtsinhaber ist dies ein Vorteil, den Du nutzen solltest, wenn Du kannst.

Neue Wahlkampfthemen

Konkrete Auswirkungen hat die Krise möglicherweise auf Deine Wahlkampfthemen. Nicht alles, was in der Zeit vor Corona wichtig war, ist es auch heute noch. Und nicht jede Aussage und Idee von damals ist heute noch aktuell. Gerade in der Wirtschafts- und Finanzpolitik hat sich geradezu über Nacht vieles verändert. Wo es gerade noch eine florierende, starke Wirtschaft gab müssen wir in den nächsten Monaten mit Insolvenzen und steigender Arbeitslosigkeit rechnen. Darauf solltest Du unbedingt eingehen und Konzepte entwickeln, wie Du der Wirtschaft bei Dir vor Ort durch diese Krise helfen willst. Aber auch in vielen anderen Themenbereichen, bis hin zur Gesundheits- und Sicherheitspolitik, solltest Du nun auf die Situation eingehen und Deine Botschaften anpassen. Überprüfe am besten Dein gesamtes Programm, ob es aktualisiert oder verändert werden muss. Versuche, die vor Ort nun neu relevanten Themen anzusprechen.

Organisatorische Auswirkungen auf die Kampagne

Besonders stark sind die organisatorischen Veränderungen, die wir gerade erleben. Dies beginnt bei der Vorbereitung und zieht sich durch bis zum konkreten Wahlkampf selbst. Die üblichen Sitzungen sind gerade tabu und selbst Wahlkampffotos sind gerade nur schwer zu erstellen. Vieles davon lässt sich über Videokonferenzen lösen, Fotos brauchst Du aber beispielsweise trotzdem. Versuche hier pragmatische Lösungen zu finden. Auf vieles müssen wir aber derzeit einfach verzichten. Und das ist ok – es geht auch ohne viele sonst selbstverständliche Dinge!

Aber auch der konkrete Wahlkampf wird anders werden. Veranstaltungen? Werden sicher noch lange nicht machbar sein. Hausbesuche und Tür-zu-Tür-Wahlkampf verbieten sich völlig. Selbst die üblichen Infostände fallen für die nächsten Wochen – und vielleicht sogar die nächsten Monate aus. Give-Aways? Kannst Du Dir jetzt erst recht sparen.

Was dagegen um so mehr funktioniert ist der Online-Wahlkampf. Die Menschen sind jetzt mehr online denn je. Du brauchst also ein besonders gutes Konzept – denn die Konkurrenz im Internet wächst jetzt um so stärker. Dein Werbebudget für Online-Werbung solltest Du deshalb massiv aufstocken und eine klare Content-Marketing-Strategie fahren.

Fazit: Wahlkampf ist trotz der Corona-Krise wichtig

Ja, Wahlkampf verändert sich durch die Krise. Er ist aber umso wichtiger geworden. Du solltest nur noch stärker darauf achten, dass Du einen guten Wahlkampf machst. Du brauchst ein starkes, inhaltliches Konzept und gute Botschaften. Achte darauf, dass Dein Ton der Situation angemessen ist und passe Deine Themen der neuen Lage an. Dann kannst Du selbstbewusst Wahlkampf machen – unsere Demokratie und unsere Gesellschaft brauchen dies!

Mehr zum Thema Wahlkampf und Wahlkampfberatung findest Du übrigens hier.

Foto „Coronaviren“ © stock.adobe.com – Romolo Tavani

Leif Neugebohrn

Ich bin Politik- und Kommunikationsberater. Ich beschäftige mich mit der Frage: Wie können wir Politik so attraktiv machen, dass sie Menschen regelrecht magnetisch anzieht? Ich habe Kunden auf der ganzen Welt und gebe neben Überzeugungsarbeit.de auch den Blog Leif.live und Magnetic-Politics.com heraus.
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