Gastbeitrag: Social Media ist doch Zeitverschwendung!

Social Media ist Zeitverschwendung

Es ist Samstag, endlich mal ein Schönwetter-Tag und ich sitze hier im Seminar über Social Media Marketing fest. Homepage, Blog, Facebook, Twitter – alles so ein Kram, den man eigentlich schon kennt und nutzt. Warum hab ich mich nur angemeldet? Ach ja, da war mal die Frage, wie man das alles abgestimmt pflegt und wie man mehr Leute erreicht. Aber was das alles für eine Zeit kostet, alle Medien und Zielgruppen zu bedienen… Jetzt erzählt uns der hochmotivierte Experte da vorne noch, dass das alles nicht reicht und wir bitteschön auch YouTube und Instagram aktiv nutzen sollen. Jau – manchmal hat man auch doch noch was anderes zu tun, oder?

Es ist gibt doch Wichtigeres zu tun!

Dabei ist so ein Tag in Partei, Verein, Verband oder Abgeordnetenbüro doch eigentlich echt schon voll genug – vor allem, wenn man das teil- oder ehrenamtlich stemmt. Social Media ist da doch Zeitverschwendung. Denn wir machen lauter wichtige Sachen, Pressemitteilungen schreiben zum Beispiel. Naja – Pressemitteilungen, die dann irgendwie doch kaum gedruckt werden, wenn ich ehrlich bin. Und wenn ich so eine Pressemitteilung auf die Partei-, Vereins- oder Abgeordneten-Homepage stelle, sieht das irgendwie auch nur sperrig aus. „Der Abgeordnete XY, PdÜ (Partei der Überzeugten), Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für ‚irgendwas’, sprach sich bei seinem Besuch des Institutes für ‚Beispielfälle’ dafür aus, dass …“ Und so weiter. Eigentlich informativ, aber distanziert und wahlweise langatmig, langweilig, unpersönlich. Wirklich interessiert einsteigen, das Ding liken, teilen und verbreiten wird das auch kaum jemand.

Was wäre denn die Alternative?

Aber was wäre denn, wenn der Held unserer Geschichte, hier der Abgeordnete, von seinem Besuch selbst kurz twittert: „Das läuft nicht gut bei #Beispielfälle, da müssen wir ran! Hab da gute Ideen… #Problemthema“.  Am besten noch mit einem Bild vom Besuch. Statt einer Pressemitteilung formuliert er dann im Nachgang – mit Unterstützung seines Teams – seine eigenen Eindrücke von dem Besuch: Warum interessiert ihn persönlich die Problematik? Wie ist der Besuch gelaufen? Wie sieht das Problem aus und wie steht er dazu bzw. welche Lösung schlägt er vor? Das Ganze wird als Blog online gestellt. Jetzt noch auf seinem Facebook-Profil teilen („Neues aus dem Institut für Beispielfälle!“) und bei Twitter darauf hinweisen:  „So können wir #Beispielfälle helfen! #Problemthema“ – fertig!

Schon habe ich alles, was Menschen anspricht:  Lokalkolorit und Identifikation, Persönlichkeit und Empathie, eine Story und einen Helden, eine Herausforderung und eine Lösung.  So macht Hollywood Filme!  Dass es dabei im Prinzip um etwas Großes, Grundsätzliches oder Komplexes gehen kann wie Mindestlohn, Gleichberechtigung oder Umweltschutz spielt eigentlich keine Rolle. Wichtig ist das Herunterbrechen für die Menschen vor Ort, den Betrieb, die Situation.

Und dann könnte es ja losgehen, so wie es in den Sozialen Medien täglich tausendfach läuft: Die Mitarbeiter, Betroffenen oder Akteure unseres beispielhaften „Beispielfälle-Instituts“ retweeten die Twitter-Nachrichten mit Bild, es ist ja „ihr“ Institut. Die Facebook-Freunde liken oder teilen die Nachricht, wenn ihnen der persönliche Bezug und die Aussage gefällt. Alle landen so auf dem einen Blog, der auch von weiteren Interessierten gefunden werden kann, wenn sie im Internet nach dem Thema suchen. Der flüssig geschriebene Blogtext wird viel eher gelesen, als eine dröge Pressemitteilung. Am Ende erreiche ich doch viel mehr Menschen, habe wesentlich mehr „Content“, als wenn die Presse nur einen Auszug drucken und sich sonst kaum einer auf die Homepage verirren würde.  Und der Zeitfaktor? Im Grunde kostet ein Blogeintrag nicht mehr Zeit als eine Pressemitteilung. Die Verlinkungen mit Twitter und Facebook sind auch in einer Minute erledigt. Ja klar, der „Held“ muss sich selbst mehr einbringen. Es ist aber auch sein Mandat!

So könnte es für einen Abgeordneten laufen, aber ähnlich auch für alle anderen, die mit ihren Ideen und Überzeugungen Menschen erreichen wollen.

Vielleicht sollte ich Social Media ja doch nutzen?

Vielleicht sollte ich es doch mal mit einem Blog versuchen, Themen direkt aufzugreifen und die persönliche Meinung dazu rüberzubringen? Und – flapp – sitze ich wieder im „Social Media Seminar“ bei Leif Neugebohrn, der uns jetzt auch die Einbindung von Videos erklären will. Da kann ich sicher noch viel lernen!

Also kurz gesagt: Natürlich ist Social Media Marketing Zeitverschwendung – und zwar für alle, denen es gleichgültig ist, ob sie Menschen erreichen oder nicht. Für alle anderen kann ich nur sagen: Pflichtprogramm, macht Euch schlau und nutzt es clever!

(Foto: Unter Verwendung von Shutterstock.com / Rawpixel.com & Mckyarts)

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