fotografieren-lernen-belichtungszeit-iso-kamera

Einfach besser fotografieren – Teil 2: Belichtungszeit und ISO

 

In diesem zweiten Teil meines Tutorials „Einfach besser fotografieren“ geht es um Belichtungszeit und ISO. Du lernst, wie Du verhindern kannst, dass Deine Fotos verwackeln, unscharf werden oder total verrauscht sind.

Zur Erinnerung:

Beim Fotografieren sind es vor allem diese drei Faktoren, die darüber entscheiden, ob Dein Foto etwas wird oder nicht:

  1. Wieviel Licht auf einmal durch die Kameralinse auf den Sensor geleitet wird
  2. Wie lange dieses Licht auf den Sensor fällt und
  3. Wie empfindlich der Sensor ist.

Diese drei Faktoren sind bei jeder Kamera gleich, von der winzigen Handycam bis zur großen Spiegelreflexkamera. Im Fotografendeutsch heißt das dann folgendermaßen:

  1. Blende
  2. Belichtungszeit
  3. ISO

Die Blende habe ich Dir im ersten Teil dieses Tutorials erklärt und Dir gezeigt, dass Du hier mit den richtigen Einstellungen auch bei schlechtem Licht fotografieren und wenn Du magst den Hintergrund unscharf stellen kannst.

Die Belichtungszeit

Die Belichtungszeit ist im Vergleich zur Blende eine ganz einfache Geschichte. Der digitale Sensor sitzt heute da, wo früher der Film war. Bei der Belichtungszeit geht schlicht um die Frage, wie lange die Kamera den Verschluss öffnet und dadurch Licht auf den Sensor fallen kann.

Gemessen wird dies in Sekunden – und da handelt es sich in aller Regel um ganz, ganz kurze Zeiten, also um Bruchteile einer Sekunde. Dies sieht dann z.B. im Falle einer achtzigstel Sekunde so aus: 1/80. Da in den Displays der meisten Kameras wenig Platz ist, wird in der Regel einfach nur die 80 ausgeschrieben. In dem Moment, wo tatsächlich ganze Sekunden genutzt werden, wird dies in fast allen Kameras mit folgendem Zeichen dargestellt: 3“ – also drei Sekunden.

Zwei Beispiele für die Darstellung der Einstellungen in der Kamera: Das erste Foto zeigt hier eine Belichtungszeit von einer 125tel Sekunde, Blende 11 und ISO 800. Das zweite Display zeigt eine Belichtungszeit von einer 100tel Sekunde – und auch einer Blende von 11 und ISO 800.

Dies ist bei der Belichtungszeit wichtig

  1. Je dunkler es ist, desto länger muss das Licht in die Kamera fallen. Die Kamera sammelt dann sozusagen über einen längeren Zeitraum das Licht. Je heller es wird, desto kürzere Belichtungszeiten brauchst Du.
  2. Je länger aber Licht in die Kamera fällt, desto leichter kannst Du das Bild „verwackeln“. Klar, wenn die Kamera Licht sammelt – aber das Motiv verändert sich durch leichte Bewegung der Kamera mit der Hand, kann es kein scharfes und einheitliches Foto geben.
  3. Nicht nur Deine eigenen Bewegungen, wie z.B. das Zittern der Hand, musst Du bedenken, sondern auch die Bewegung Deines Motivs. Wenn Du z.B. andere Menschen fotografierst, bewegen die sich ja auch immer. Sportfotografen nutzen beispielsweise Belichtungszeiten, die häufig schneller als eine tausendstel Sekunde sind, z.B. 1/1250 oder sogar noch schneller.

Wenn lange genug belichtet wird, kann man ein Lightpainting machen. Hier wurden 20 Sekunden belichtet und mit einer Wunderkerze „gemalt“. Die Belichtungszeit des zweiten Bildes war so lang, 1/4tel Sekunde, dass die Autos in der Fahrt Bewegungsunschärfe bekommen.

Diese beiden Belichtungszeiten solltest Du Dir merken

Nach meiner Erfahrung gibt es zwei Werte, an die Du Dich immer halten solltest:

Wenn Du aus der freien Hand ohne Stativ fotografierst, sollte die Belichtungszeit nicht eine achtzigstel Sekunde, also 1/80, unterschreiten. Nur geübte Fotografen können mit langsameren Belichtungszeiten noch scharf und ohne zu verwackeln fotografieren.

Fotografierst Du andere Menschen oder Motive, die sich bewegen, solltest Du mindestens mit 1/125 fotografieren.

ISO

Der dritte Wert ist die Lichtempfindlichkeit. Auch diesen Wert gab es schon ganz früher zu den Zeiten der analogen Fotografie mit Filmen. Damals konnte man in der Regel Filme kaufen, die entweder den Wert 100, 200 oder 400 ISO (in Deutschland früher auch ASA genannt) hatten.

Alle wussten damals: Wenn ich Fotos im Sommer machen will, kaufe ich einen Film mit ISO 100. Wird es etwas dunkler, nehme ich den 200er und an Weihnachten muss es mindestens ein 400er sein. Denn je höher diese Zahl war, desto lichtempfindlicher war der Film. Das bedeutete dann: Je empfindlicher der Film, desto weniger Licht wurde gebraucht.

Diese sehr empfindlichen Filme hatten aber einen Nachteil, denn sie waren viel gröber, als die 100er Filme. Dies sah man den Fotos dann deutlich an, sie wirkten grobkörnig.

Das ist bis heute so geblieben!

Lichtempfindlichkeit und ISO heute

Heute beginnt die Lichtempfindlichkeit noch immer meistens bei ISO 100, endet aber je nach Kamera bei mehreren tausend. Aber noch immer ist es so, dass je höher die ISO wird, je schlechter die Bildqualität wird. Heute nennt man das Bildrauschen. Es hängt jetzt von der Qualität Deiner Kamera ab, wie hoch du die ISO stellen kannst. Günstige Kameras machen gute Bilder bis vielleicht 800 ISO. Teure Profikameras sind noch bei 12.500 ISO oder höher in der Lage, gute Fotos zu machen – und damit auch dann, wenn es extrem dunkel ist.

Diese beiden Fotos sind ein Beispiel für eine hohe ISO Einstellung, in diesem Fall 6400. Man sieht das Bildrauschen deutlich!

Wie geht es nun weiter?

Nachdem Du nun genau weißt, was die drei wichtigsten Begriffe beim Fotografieren bedeuten, werde ich Dir in den kommenden Folgen zeigen, wie Du das ganz einfach beim Fotografiere anwenden kannst und wie Du die richtige Einstellung findest!

Übrigens: Das Foto der obigen Nachtwanderung habe ich in Borkum gemacht, bei der „Stadtführung zur Geisterstunde“ der Watthanse. Wenn Ihr mal auf Borkum seid, dürft Ihr das nicht verpassen!

2 Kommentare

  1. Veröffentlich von Barbara am 18. April 2017 um 20:46

    Mit analoger Fotografie habe ich unsere Kinder im Babyalter immer mit ASA 400-Filmen fotografiert, weil ich dann keinen Blitz einsetzen musste. Das Bildrauschen habe ich dabei akzeptiert. Es sind dann sehr nette Fotos entstanden und die jeweiligen Babys hatten keine Angst vor einer Kamera. Und das klappt auch im digitalen Zeitalter mit meinen Enkelkindern. Oma mit Kamera ist normal und man fürchtet sich nicht. Nur dass heute die digitalen Möglichkeiten weitaus besser sind.

    • Veröffentlich von Leif Neugebohrn am 18. April 2017 um 21:04

      Das ist genau die richtige Einstellung! Viele haben panische Angst vor dem Rauschen und setzen dann alles Mögliche ein, was zwar das Rauschen minimiert – das Bild aber auch einfach hässlich macht. Ich fotografiere ja auch Hochzeiten und bin immer entsetzt, wieviele Fotografen wunderschöne Momente einfach tot blitzen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar