Politische Kommunikation

Politik und Kommunikation können in einer Demokratie nicht getrennt werden. Politiker und Parteien müssen Wähler von ihren Ideen und Vorschlägen überzeugen und Mehrheiten organisieren.

Politische Kommunikation ist einer der wichtigsten Bereiche der politischen Arbeit: Du musst Deine Ideen, Vorschläge und Entscheidungen richtig vermitteln können und Mehrheiten dafür organisieren. Hier erfährst Du wichtige Grundlagen und Hintergründe über das große Thema der politischen Kommunikation.

Was ist politische Kommunikation?

Die politische Kommunikation ist ein enorm großes Thema – allein der Begriff erlaubt verschiedenste Herangehensweisen und Deutungen. Es gibt sowohl sehr praktische als auch wissenschaftliche Interpretationen. Und nicht zuletzt ist die politische Kommunikation auch eine wissenschaftliche Disziplin. Ich werde versuchen hier die verschiedenen Aspekte aufzuzeigen, so dass Du einen guten Überblick bekommst. Also, zurück zu der Frage: Was ist politische Kommunikation?

Politische Kommunikation ist ein Oberbegriff für verschiedene Kommunikationsformen, die politische Akteure und politische Handlungsfelder betreffen. Man versteht darunter Kommunikation, die politische Akteure untereinander leisten oder an andere richten –  aber auch Kommunikation von Außenstehenden über diese Akteure selbst, über politische Inhalte, Zielsetzungen und Praxen. Das bedeutet, dass die Formen der politischen Kommunikation sowohl von Politikerinnen und Politikern und Parteien selbst ausgehen können, aber auch von staatlichen oder nichtstaatlichen Organisationen, Verbänden, Unternehmen, Medien, Interessenvertretern, Lobbyinggruppen, Bürgerinnen und Bürgern und von vielen weiteren gesellschaftlichen Akteuren.

Ziel politischer Kommunikation ist die Vermittlung von politischen Inhalten an bestimmte Empfänger. Das können  Entscheidungsträger und Multiplikatoren sein – oder auch direkt die Wählerinnen und Wähler.

Der Begriff der politischen Kommunikation beinhaltet damit ganz unterschiedliche Formen der politischen Informationsarbeit wie die Vermittlung von politischen Inhalten, Zielsetzungen und Entscheidungen, politische Rhetorik, Pressearbeit, politische Öffentlichkeitsarbeit, Public Relations und Public Affairs, ist aber keinesfalls mit diesen grundsätzlich gleichzusetzen.

Politische Kommunikation – eine Definition

Politische Kommunikation oder Politolinguistik ist eine empirisch ausgerichtete Teildisziplin der Sprachwissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der Analyse, Methodik und Kritik politischer Diskurse und politischer Kommunikationsstrategien. Dabei untersucht sie die drei klassischen Bereiche der Politikwissenschaft, Politisches System (Polity), Politische Prozesse (Politics) und Politikfelder(Policies) aus sprachwissenschaftlicher Perspektive.

Im weitesten Sinn versteht man unter politischer Kommunikation auch alle Sprachakte und kommunikativen Interaktionen, die politische Inhalte an politische Akteure, unter Akteuren oder an die Öffentlichkeit vermitteln oder die über diese stattfinden. Darunter fallen zum Beispiel Pressemitteilungen, die zu einem bestimmten Thema an Medien gerichtet werden, Gesprächsrunden („runde Tische”) unter Beteiligung von Bürger/innen und Medienvertreter, Reden und Ansprachen von Politiker zu besonders wichtigen Anlässen, Broschüren, Info- und Werbematerial für Parteien, Verbände, NGOs und Regierungsorganisationen, Interviews, Beiträge auf Social Media und anderen digitalen Kanälen. Auch die sogenannte Krisenkommunikation, also die kommunikative Prävention beziehungsweise Bewältigung krisenhafter Situationen durch Behörden, Unternehmen, politische Akteure oder Organisationen, zählt zur politischen Kommunikation.

Warum Politik und Kommunikation zusammen gehören

Wer Politik macht, muss kommunizieren. Das ist untrennbar miteinander verbunden. Es gibt aber viele Politiker, die versuchen eine scheinbare Trennung zwischen ihren „eigentlichen Aufgaben“ und den Notwendigkeiten einer professionellen Kommunikation herzustellen. Das halte ich für nicht möglich! Ich gehe sogar soweit, dass ich jede Form der Politik für Marketing halte. Warum das so ist, kannst Du hier nachlesen. Politische Kommunikation ist damit auch immer Teil von politischer Strategie.

Kann politische Kommunikation Entscheidungen beeinflussen?

Natürlich! Letztlich ist dies ja das eigentliche Kern. Die Darstellung politischer Inhalte und Ideen ist ja kein Selbstzweck, sondern verfolgt ein Ziel. Meistens gehört zu diesem Ziel, eine bestimmte Entscheidung herbeizuführen oder andere politische Verfahren möglich zu machen. Manchmal muss die politische Kommunikation auch eingesetzt werden, um bereits getroffene Entscheidungen so zu kommunizieren, dass sie von einem Großteil der Empfänger positiv – oder je nach Ziel auch negativ – aufgenommen werden. Damit ist politische Kommunikation auch Interessenvertretung und Mittel politischer Einflussnahme. Dazu bedienen sich politische Akteure häufig professioneller politischer PR und der Hilfe der verschiedenen Medien und Massenmedien.

Was ist politische Öffentlichkeitsarbeit?

Nicht unbedingt. Politische Kommunikation ist viel mehr als nur Öffentlichkeitsarbeit. Der Begriff der Öffentlichkeitsarbeit meint recht konkret Maßnahmen und Strategien, mit denen zum Beispiel Politiker und Parteien das eigene Image und Ansehen stärken und bestimmte Botschaften vermitteln können. In Abgrenzung zur Politischen Kommunikation zielt Politische Öffentlichkeitsarbeit also nicht in erster Linie darauf ab, Entscheidungsträger, Wähler und Wählerinnen oder andere politische Akteure zu beeinflussen und so zu konkreten Handlungen zu veranlassen. Politische Öffentlichkeitsarbeit soll vielmehr die Reputation einer Organisation erhöhen und ganz allgemein für ein gutes Image sorgen. Ich sehe die Öffentlichkeitsarbeit daher mehr als Werkzeug der politischen Kommunikation an. Sie finden also nicht getrennt statt, sondern sind meistens eng miteinander verbunden.

Mehr zum Thema Öffentlichkeitsarbeit findest Du hier!

Public Affairs und Public Relations

In diesem großen Thema werden immer wieder die Begriffe Public Relations und Public Affairs genannt, gerne auch als PR und PA abgekürzt. Ich glaube viele sind sich häufig nicht sicher, was damit konkret gemeint ist und ob es Unterschiede zwischen beiden gibt. Ich will eine einfache Erklärung mit zwei Beispielen versuchen:

  • Eine Partei kann mittels Public Relations versuchen, Wähler oder andere Organisationen zu beeinflussen. Die Partei selbst wird aber eventuell Ziel von Public Affairs, wenn nämlich eine dieser Organisationen versucht, auf die Partei wiederum einzuwirken.
  • Eine Gewerkschaft kann mit Public Relations ihren Standpunkt und ihre Forderungen einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen und versuchen, diese Öffentlichkeit also zu beeinflussen. Versucht die Partei aber jetzt, Parteien und Politiker zu beeinflussen, dann ist das Public Affairs.

Man könnte daher Public Relations auch mit politischer Öffentlichkeitsarbeit und Public Affairs mit Lobbying, bzw. Lobbyismus gleichstellen. Richten sich die Bemühungen übrigens auf Regierungen oder regierungsnahe Organisationen, spricht man von „Governmental Relations” (GR).

Wie funktioniert politische Kommunikation?

Politische Akteure nutzen eine Vielzahl von Kommunikationsmitteln, um ihre kommunikativen Ziele zu erreichen. Klassische Medien wie Zeitungen, Zeitschriften und das Fernsehen spielen dabei nach wie vor eine große Rolle – und werden dabei gerade bei der Arbeit vor Ort inzwischen gnadenlos überschätzt. Die Bedeutung von Social Media und anderen Formen der Online-Kommunikation wächst, hat aber noch lange nicht denselben Stellenwert wie in anderen Bereichen des Alltags.

Die Werkzeuge, die am häufigsten in der politischen Kommunikation zum Einsatz kommen, sind somit neben der politischen Öffentlichkeitsarbeit, Online-Marketing und der klassischen Presse- und Medienarbeit auch Medienbeobachtung, Interne Kommunikation, Kommunikations-Controlling, Mediengestaltung und Medientraining.

Um die politische Kommunikation herum sind ganze Berufszweige entstanden, die sich im Prinzip mit nichts anderem beschäftigen, als dafür zu sorgen, dass diese Kommunikation möglichst reibungslos funktioniert – und dabei das richtige Ziel verfolgt.

Das hat auch mehrere gute Gründe. Viele politischen Akteure kommen ja aus ganz anderen Disziplinen und Fachgebieten. Kommunikation sollte aber immer möglichst professionell sein. Die Hilfe von außen ist daher sehr hilfreich.

Trends der politischen Kommunikation

Wenn es einen Trend in der politischen Kommunikation gibt, dann ist es Social Media! In den vergangenen Jahren hat sich die alltägliche Kommunikation und der Medienkonsum der Menschen radikal verändert. Wer also noch immer in klassischen Konzepten von vor ein paar Jahren handelt, bekommt heute ein Problem. Die immer direktere Ansprachen von Menschen, auch mittels Microtargeting und anderen Methoden, hat natürlich auch Auswirkungen auf die politische Kommunikation. Wir erleben außerdem immer stärkere Filterblasen und Echokammern. Und wir erleben eine deutlich schnellere und emotionalere politische Kommunikation.

Theorien der politischen Kommunikation

Unter Wissenschaftlern herrscht keine Einigkeit darüber, wie der Forschungsgegenstand Politische Kommunikation exakt einzugrenzen ist. Schon der Begriff an sich sorgt für Kontroversen, die wiederum in einem stark unterschiedlichem Verständnis der Disziplinen Politik und Kommunikation begründet sind. Auch unterschiedliche Perspektiven spielen dabei eine Rolle. So wird Politik und Kommunikation aus der Rolle der Akteure, etwa der Staatsbürger, von der Politolinguistik hauptsächlich als Meinungs- und Willensbildungsprozess beobachtet und analysiert. Andere Ansätze beschäftigen sich zum Beispiel mit Textanalyse politischer Aussagen und Mitteilungen und setzen dabei einen semantischen (im Sinne der Wortbedeutung) oder pragmatischen (kontextabhängigen, nicht wörtlichen) Schwerpunkt.

Dennoch gibt es zentrale Bereiche der politolinguistischen Forschung, über die weitgehend Einigkeit besteht und die ihre theoretischen wie methodischen Fundamente mit bestimmen. Dazu gehören vor allem die sogenannte „Bedeutungs- und Bezeichnungskonkurrenz” und die „Kampagnen”.

Unter Bedeutungskonkurrenz verstehen Wissenschaftler die Verwendung ein und des selben Wortes in vollkommen verschiedenen Bedeutungszusammenhängen, Bedeutungskonkurrenz bezeichnet dagegen die Verwendung unterschiedlicher Begriffe für ein und den selben Sachverhalt.

Kampagnen wiederum sind mediale und kommunikative Aktionen, die eine Mehrheitsbeschaffung für bestimmte politische Anliegen zum Ziel haben.

Ein Beispiel, anhand dessen man diese Konzepte gut begreifen kann und dass du mit Sicherheit auch schon mit verfolgt hast, ist die Analyse von Wahlkampagnen. Wähler und Wählerinnen sind ja daran interessiert, ganz bestimmte Interessen durch die Partei, für die sie sich bei einer Wahl entscheiden, vertreten zu wissen. Sie nützen verschiedene Medien, um sich zu informieren; konsultieren Wahlprogramme, Websites oder Soziale Medien. Woher „wissen” aber diese Medien, welche Interessen die potentiellen Wähler und Wählerinnen haben? Meist wird das durch Befragungen und andere Instrumente der Meinungsforschung herausgefunden. Reaktion auf bestimmte Sachthemen können so „abgetestet” werden – anhand der Analyse dieser Reaktionen lassen sich Wahlkampagnen dann so gestalten, dass beispielsweise aus bezeichnungskonkurrenten Begriffen jener ausgewählt wird, der die eigene Wählerschaft am besten anspricht (etwa „notwendige Reform” statt „Sozialabbau”). Die Wahlprogramme und Kampagnen als solche werden dann wieder zum Forschungsgegenstand für die Analyse der Politolinguistik