SEO und politisch korrekte Sprache

SEO: Warum politisch korrekte Sprache den Nazis helfen kann

Versucht Du auch immer eine politisch korrekte Sprache zu verwenden? Wusstest Du aber, dass Du damit manchmal Nazis ganz konkret hilfst?

Political Correctness, die politische Korrektheit, ist in den letzten Jahren zu einem immer höheren Gut geworden. Nicht nur in der Politik achten viele darauf, welche Begriffe sie verwenden und welche Bedeutung mit diesen Begriffen mitschwingt. Das ist auch gut so! Denn Sprache kann verletzten und diskriminieren. Wörter können eine scharfe Waffe sein. Dennoch sind auch die vermeintlich richtigen Begriffe ein zweischneidiges Schwert. Eine gut gemeinte Sprache erreicht manchmal genau das Gegenteil – gerade im Internet. Denn die Autoren politisch korrekter Texte vergessen oft das kleine Kürzel SEO – also Suchmaschinenoptimierung.

Der politische Elfenbeinturm und die Realität

Besonders in der Politik machen sich viele Gedanken über Sprache und die richtigen Begriffe. Gerade in den eher linken Parteien füllen die Diskussionen über Begriffe und Formulierungen ganze Antragsbücher von Parteitagen und Kongressen. Wollen wir von Flüchtlingen oder von Geflüchteten sprechen? Schreiben wir Behinderte oder Menschen mit Behinderung oder gibt es gar einen weiteren Begriff? Bestimmte Wörter sind inzwischen sogar komplett tabu, werden nur noch mit Abkürzungen angedeutet. Versteh mich nicht falsch, ich kann diese Diskussionen und Gedanken gut nachvollziehen. Wie abwertend Begriffe wie Asylant gemeint sind, kann glaube ich jeder spüren, der sich mit dem Thema auseinandersetzt.

Das Problem: Sobald wir den politischen Elfenbeinturm verlassen, wird dies abrupt anders. Nur wenige Menschen außerhalb dieser politischen Filterblase machen sich wirklich Gedanken über die feinen Unterschiede der Namen und Wörter – egal, welche politische Grundhaltung sie haben. Ich habe oft erlebt, wie Menschen ganz selbstverständlich von Asylanten gesprochen haben – und es absolut klar war, dass sie damit keinerlei abwertende Intention haben. Eine Diskussion über den Unterschied zwischen Flüchtlinge und Geflüchtete trifft bei vielen auf erstauntes Unverständnis. Das gleiche gilt für die sogenannte geschlechterneutrale Sprache.  Während die politische Klasse über verschiedene Formen des Genderns streitet, gibt es in einer Mehrheit der Bevölkerung noch nicht einmal ein Bewusstsein, dass bestimmte Begriffe falsch sein könnten.

Politische Korrektheit : Warum wir uns nicht in unserer Filterblase einmauern dürfen

Ein beliebtes Argument ist nun: Wenn wir die Sprache verändern, verändern wir auch das Denken. Na klar, Sprache verändert sich um so schneller, um so mehr Menschen sich an neue Sprachregeln halten. Das Problem ist aber, dass wir uns damit nun in einer Filterblase regelrecht einmauern. Denn im Online-Marketing gelten manchmal Regeln, die für uns an dieser Stelle so richtig zum Problem werden. Für Suchmaschinen wie Google ist die Absicht der Autoren von Texten viel unwichtiger als die Intention des Suchenden. Für Google gilt: Je näher ein Text an dem dran ist, was ein Nutzer in die Suchleiste eingegeben hat, desto wahrscheinlicher ist auch, dass er relevant für diesen Nutzer ist. Das bedeutet ganz konkret: Wenn jemand nach Asylanten sucht, wird er zunächst vor allem Seiten finden, die diesen Begriff auch verwenden. Wir haben zu diesem Zeitpunkt aber keinerlei Einfluss auf den Nutzer und was er bei Google eingibt. Wir müssen es – so schwer es fällt – einfach hinnehmen und damit arbeiten.

Diese beiden Grafiken zeigen das Suchvolumen zu verschiedenen Keywords (durch kwfinder.com). Hier kann man sehr deutlich sehen, wie viel stärker die vermeintlich unkorrekten Begriffe bei Google gesucht werden:

Für jeden, der gewohnt ist, suchmaschinenoptimierte Texte zu schreiben, steht am Anfang jeden Textes die Keywordanalyse. Dabei geht es eigentlich nur um die Frage, welche Begriffe meine Zielgruppe für mein Thema verwendet und in welchen Kombinationen und Variationen. Ein Beispiel: Wenn ich einen Text über Brautkleider schreibe, muss mir klar sein, dass ein Teil der potentiellen Kundschaft hier von Hochzeitskleidern spricht. Ich werde meinen Text also entsprechend anpassen und beide Begriffe verwenden.

In der Politik dagegen ignorieren wir nicht nur den Umgang unserer Zielgruppe mit Begriffen, wir sind sogar der Meinung, wir könnten bestimmen, welche Begriffe sie verwenden müssen. Das kann nicht funktionieren!

Die falschen Keywords: So verlieren wir ganze Themen an die Nazis

Das Ergebnis ist dramatisch! Zum einem sind wir mit unseren Themen häufig komplett unsichtbar bei Google. Viel schlimmer ist aber, dass wir bestimmte Keywords komplett an die Nazis verloren haben! Dadurch verlieren wir auch die damit verbundenen Themen – und helfen damit den Nazis. Wir können noch sehr sehr hoffen, dass sich das Wort Geflüchtete durchsetzt. Die Menschen suchen zeitgleich nach Asylanten – und landen dann fast ausschließlich auf rechten und rechtsextremen Webseiten. Führen wir uns das einmal vor Augen: Da hört vielleicht ein politisch nicht gut gebildeter Mensch, dass angeblich Flüchtlinge ein hohes Begrüßungsgeld bekommen oder gar irgendwelche Straftaten verüben dürfen. Er googelt dieses Thema mit seinen Worten – und wird bestätigt! Für mich ist das eine gruselige Vorstellung. Sie ist  aber vermutlich jeden Tag Realität. Allein schon die Ergebnisse für das allgemeine Keyword Asylanten sind erschreckend.

Ergebnisse bei Google zu dem Suchwort „Asylanten“ (Analyse mit Sistrix)

Wir müssen uns also besinnen auf die Frage: Was ist unser Ziel? Kann es unser Ziel sein, dass wir aufgrund von Sprachproblemen ganze Themen im Internet an irgendwelche Rechtsextremen verlieren? Du solltest die Wirkung von Google nicht unterschätzen. An Google wenden sich die Menschen mit all ihren Fragen, Problemen und Nöten. Was bei Google steht, ist für viele ein großer Teil der Wahrheit.

Politik machen mit vorausschauender Suchmaschinenoptimierung

Wir könnten mit Google nun richtig Politik machen und an der öffentlichen Meinungsbildung intensiv mitwirken. Dafür brauchst Du aber eine Webseite, die suchmaschinenoptimiert ist und die entsprechenden Themen wirklich aufgreift. Du solltest versuchen, die Interessen Deiner Zielgruppen zu erahnen und alle politischen Bereiche mit entsprechenden Unterseiten aufzugreifen. Das Ergebnis könnte sein, dass besorgte Anwohner nach der Eingabe von „Flüchtlingsheim Musterstadt“ eben nicht mehr weiter aufgestachelt werden – sondern Du mit Deinen politischen Botschaften und Informationen schon im Vorfeld viel Ärger vermeidest. Es steht Dir ja dann offen, auf diesen Seiten auch die verwendeten Begriffe zu thematisieren!

Fazit: Wir helfen so den Nazis!

Meine These mag provokant sein – aber am Ende ist es genau so: Wenn wir ganze Themenbereiche einfach den Nazis überlassen, helfen wir ihnen massiv. Wir helfen ihnen, wenn wir immer nur durch unsere Politikbrille schauen und unsere Zielgruppen völlig aus dem Blick verlieren. Wir helfen den Nazis, wenn wir uns in unserer gemütlichen, politisch korrekten Filterblase einmauern.

Ich habe mir bereits im Sommer angeschaut, wie stark das Thema Suchmaschinenoptimierung in den Parteien gelebt wird. Das Ergebnis war: Garnicht. (Meinen SEO-Test deutscher Parteien findest Du hier) Daran hat sich wenig geändert. Das Problem beschleunigt sich nun noch weiter – in dem zunehmend eigene Begriffe regelrecht erfunden werden um vermeintlich politisch korrekt zu bleiben. Die Parteien mauern sich so in ihren Filterblasen ein – auch unabhängig von SEO. Hier muss sich dringend etwas ändern! Du musst Dir nicht alle Begriffe zu eigen machen, aber Du solltest einen Weg finden, selbst die schlimmsten Wörter in irgendeiner Form auf Deiner Webseite einzubauen. Manchmal reicht es, einen Begriff einmal zu verwenden – oft ist dies aber viel zu wenig. Hier brauchst Du eine Lösung. Sei kreativ und erkläre Deinen Leserinnen und Lesern im Zweifel, warum Du bestimmte Wörter in einem Absatz nun nutzt. Thematisiere, warum manche Begriffe schlecht sind. Am Ende sollte das Ergebnis ja sein: Nicht nur das Gute wollen sondern auch das Gute erreichen.

 

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