Social-Media- & Online-Marketing

SEO-Test: Parteien versagen bei der Suchmaschinenoptimierung

SEO Check der Parteien

Suchmaschinenoptimierung scheint für die deutschen Parteien kein Thema zu sein. Ich habe die Webseiten der großen deutschen Parteien auf Sichtbarkeit bei Google getestet – und alle sind krachend durchgefallen. SEO? Ist in den Parteizentralen offensichtlich kein Thema.

SEO kann für die Politik ein mächtiges Marketingwerkzeug werden

Offensichtlich hat in den Parteien bislang niemand das große Potential von SEO erkannt. Jeden Tag nutzen zig Millionen Menschen in Deutschland Google für Suchanfragen aller Art. Wer eine Frage hat und etwas wissen will, tippt sie meistens erst einmal bei Google ein.

Machen wir uns einmal die große Chance bewusst: Bei jedem anderen Medium, sei es nun Facebook oder andere Social Networks, Flyer, Werbeanzeigen oder vieles mehr, drängen wir uns den Nutzern mit unseren Inhalten auf. Die wenigsten Nutzer haben in dem Moment, in dem wir mit unseren Inhalten auftauchen, bereits ein Interesse dafür. Wir müssen es erst wecken. Bei Google sieht die Situation völlig anders aus. Menschen haben ein konkretes Interesse und äußern dieses sogar! Hier könnten sie nun perfekt abgeholt werden.

Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Parteien zu den großen und wichtigen Themen im Internet auch gefunden werden. Dies ist aber nicht der Fall! Sie überlassen die Suchergebnisse vollständig den Medien und anderen Webseiten.

Einige Beispiele:

Sucht man nach Finanzkrise kommt erst auf Platz 29 der Ergebnisse mit der Linksjugend Solid ein Ergebnis einer deutschen Partei. Für den Suchbegriff Flüchtlinge findet sich unter den ersten 100 Ergebnissen sogar kein einziger Treffer einer Partei!

Mehr über das Thema SEO habe ich Dir hier aufgeschrieben. 

SEO Test der deutschen Parteien

Für meinen SEO-Test habe ich das Tool Sistrix genutzt, welches die Sichtbarkeit von Webseiten analysiert. Sistrix erstellt daraus einen sogenannten Sichtbarkeitsindex, dargestellt in einer Zahl. Je höher die Zahl, desto größer ist die Sichtbarkeit einer Webseite in den Suchergebnissen von Google. Spitzenreiter im deutschen Internet ist Wikipedia, mit einem Sichtbarkeitsindex von 6255,5. Ein weiteres Beispiel: Der Online-Shop Zalando erreicht einen Wert von 170,62 – und gehört damit immer noch zu den sehr guten Seiten. (Alle Zahlen sind vom 23.5.17).

Rangliste der Parteien im Sichtbarkeitsindex

So haben die großen deutschen Parteien beim Sichtbarkeitsindex abgeschnitten (Stand 23.5.17):

  1. SPD 1,807
  2. CDU 1,14
  3. FDP 1,103
  4. Linkspartei 0,9762
  5. Grüne 0,9153
  6. CSU 0,8202

Der Sichtbarkeitsindex der Parteien 2008 – 2017

Social Signals

Ein wichtiger Indikator ist außerdem, wie oft die Inhalte einer Webseite in den Social Networks geteilt und diskutiert werden. Dies sind die sogenannten Social Signals. Jedes Like, jeder Kommentar und jeder Share ist ein Signal.

Hier ergibt sich ein völlig anderes Bild:

  1. CDU 567.248
  2. CSU 358.619
  3. Grüne 197.402
  4. FDP 68.973
  5. Linkspartei 68.019
  6. SPD 45.117

Es wird deutlich, dass die Inhalte der Webseite der CDU fast 13 mal mehr Interaktionen in den Social Networks auslösen als die Webseite der SPD. Ein dramatischer Unterschied!

Wichtige Keywords

Richtig spannend wird es aber erst, wenn wir uns die Keywords ansehen, für die es bei Google gute Rankings bei den Parteien gibt. Hier habe ich nur die Plätze 1 – 9 angesehen. Alles, was weiter hinten bei Google rankt, wird aber sowieso kaum geklickt.

In der Analyse der Keywords, auch wieder mit Sistrix, habe ich sämtliche Brand Keywords ausgeblendet. Das bedeutet, alle Suchbegriffe, welche den jeweiligen Markennamen erhalten, also z.B. SPD, CDU, Grüne, etc.

So sieht Liste der Keywords für spd.de aus – ausgeblendet sind bereits alle Keywords, die das Wort „spd“ enthalten. Wirklich interessant ist hier aber keines.

In den folgenden Listen kannst Du immer den jeweiligen Suchbegriff mit der Platzierung bei Google sehen. Die Auswahl der hier gezeigten Keywords habe ich nach dem Potential getroffen, die ich in ihnen gesehen habe. Natürlich ranken die Parteien bei Google für unglaublich viele Begriffe, die meisten haben aber direkt mit der Partei und mit einzelnen Namen von Personen der Parteien zu tun. Wirklich interessiert wird es aber erst, wenn konkrete Themen in den Rankings auftauchen.

Wie du siehst, ist das Ergebnis hier mehr als mau. Wo sind die vielen für die jeweilige Partei interessanten Themen?

CDU

  • „tag der heimat“ – 1
  • „zwangsarbeiterentschädigung“ – 1
  • „sicherheitsmaßnahmen gegen terrorismus“ – 3
  • „ideen für deutschland“ – 5
  • „milchgipfel“ – 6
  • „ttip abkommen inhalt“ – 6
  • „ttip bedeutung“ – 6
  • „finanzen deutschland“ – 9

SPD

  • „mehr Zeit für die Familie“ – 3
  • „islamkritik in deutschland“ – 3
  • „staatsaufgaben“ – 5
  • „gerechtes steuersystem“ – 5
  • „bildung fuer alle“ – 5
  • „schule von morgen“ – 6
  • „aussenpolitik“ – 6
  • „was ist ein freihandelsabkommen“ – 6
  • „bestehende mindestlöhne“ – 7
  • „freiheit oder sicherheit“ – 7
  • „globalisierung fairer handel“ – 7
  • „umwelt“ – 8

FDP

  • „grenzpolizei europa“ – 5
  • „arbeitsmarkt“ – 6
  • „digitalisierungsstrategie deutschland“ – 6
  • „flüchtlingspolitik parteien“ – 6
  • „medienstaatsvertrag“ – 7
  • „milchquotenregelung 2015“ – 7
  • „Arbeitsmarkt arbeitspolitik“ – 7
  • „umweltschutz klimaschutz“ – 8
  • „kalte progression bundesrat“ – 8
  • „liberale marktwirtschaft“ – 9

Grüne

Bei den Grünen ist als einzige Partei im Ansatz der Versuch erkennbar, mit Themenseiten bei Google sichtbar zu sein. In manchen Fällen klappt das richtig gut – jetzt müsste das nur noch konsequent umgesetzt werden.

  • „frauenpolitik“ – 2
  • „geschlechtergerechtigkeit“ – 2
  • „fakten gegen rechts“ – 2
  • „gegen rechte parolen“ – 2
  • „ökologische finanzreform“ – 2
  • „rauschmittelgesetz“ – 3
  • „ttip stoppen“ – 3
  • „jugendpolitik“ – 4
  • „klima schuetzen“ – 4
  • „jugend politik“ – 4
  • „soziale absicherung für selbstständige“ – 4
  • „integration einwanderer“ – 4
  • „drogenpolitik“ – 5
  • „stoppt fracking“ – 5
  • „behindertenpolitik“ – 6
  • „atomenergie kosten“ – 6
  • „atomstrom preis“ – 6
  • „entwicklungspolitik“ – 7
  • trennung staat kirche“ – 8

Linkspartei

Bei der Linkspartei gibt es zusätzlich noch diverse Rankings für verschiedene Variationen von „Aktuelle Arbeitslosenzahlen“.

  • „nato abschaffen“ – 2
  • „wirtschaftsdemokratie“ – 2
  • „aktuelle arbeitslosigkeit“ – 4
  • „klassengesellschaft deutschland“ – 4
  • „agenda 2010 bilanz“ – 6
  • „nato frieden“ – 7
  • „gegen hartz iv“ – 8
  • „bahnprivatisierung“ – 8
  • „EU Aussenpolitik“ – 8
  • „auslandseinsätze“ – 9
  • „rentenbetrug“ – 9

Die Webseiten der Parteien im Test

Um bei Google gefunden zu werden, braucht es relevante Inhalte. Themen haben die Parteien genug – aber schon beim Blick auf die Keywords wurde klar, dass diese offensichtlich auf den Internetseiten der Parteien kaum Eingang finden.

SPD

Die SPD hat eine Webseite, die zwar über ein auf den ersten Blick ansprechendes Design verfügt, aber äußerst unübersichtlich ist. Die verwendete Kacheloptik war vor einigen Jahren sicher sehr modern. Technisch scheint zunächst alles ok zu sein, die Seite hat eine SSL-Verschlüsselung und besteht den Google Mobile Test. Der inzwischen immer wichtiger werdende Page Speed Test aber sieht weniger gut aus – die Seite lädt relativ langsam.

Die Startseite wirkt, als ob etwas vergessen worden ist. Nur eine einzige Überschrift, immerhin dann die passende h1-Überschrift, und keinerlei Inhalt. Die Navigation ist überladen und unübersichtlich. Die Titel sind im perfekten Politiksprech gehalten – für Google ist das alles andere als optimal. Mit „Gute Arbeit“ und „Beste Bildung“ kann ja schon der Leser wenig anfangen…

CDU

Auch die CDU sollte mal wieder über ein Re-Design nachdenken. Wer kommt auf die Idee, das Logo oben rechts zu setzen? Und warum müssen politische Seiten so unübersichtlich sein? Wer sich über konkrete Themen informieren möchte, ist bei der CDU völlig falsch. Habe ich gerade noch bei der SPD die etwas schwierigen Titel der Themenseiten kritisiert, fehlen diese bei der CDU offensichtlich völlig. Schwach! Technisch ist soweit alles in Ordnung, auch wenn die Seite noch deutlich langsamer lädt, als die SPD. Dass die CDU so starke Social Signals hat, ist ausschließlich auf aktuelle Artikel zurückzuführen.

FDP

Die Seite der FDP hat ein extrem modernes Design – in meinen Augen ist es aber schon zu modern. Die Navigation wird auch am Desktop mit einem sogenannten Hamburger-Menü umgesetzt. Es ist also immer ein Mausklick notwendig, bevor man die Navigation eingeblendet bekommt. Um zu den Themen-Seiten zu kommen, muss man mindestens zwei mal klicken. Aber immerhin gibt es sie! Technisch ist alles ok, die Seite ist die schnellste im Test.

Grüne

Das Design der Grünen wirkt überladen, unübersichtlich und wenig einladend. Die Schriftarten sind teilweise schwer lesbar, eine dauerhaft eingeblendete magenta-farbene Banderole soll Mail-Adressen einsammeln. Themen sind erkennbar, aber es ist einfach extrem unübersichtlich. Zur Technik: Die Grünen leisten sich hier einen echten Schnitzer! Es ist zwar eine Verschlüsselung auf https eingerichtet, aber ruft man die http-Seite auf, existiert keine Weiterleitung! Viele Besucher werden so auf der unsicheren Seite landen, die von Browsern als Sicherheitsrisiko gekennzeichnet wird. Und Google mag die nun doppelt vorhandene Seite garnicht. Schnell ändern! Die Seite ist außerdem mit Abstand die langsamste im Test!

Linkspartei

Die Linkspartei wirkt mit ihrer Webseite ein wenig aus der Zeit gefallen. Wann kommt das Re-design? Vor zehn Jahren war das vielleicht noch ok. Themen findet man auf dieser Seite nur schwer. Technisch ist aber sonst alles in Ordnung, auch wenn die Seite sehr langsam ist.

CSU

Hallo? CSU? Es ist 2017! Webseiten sollten verschlüsselt sein. Es ist schon peinlich, wenn eine Partei mit bundespolitischen Ambitionen noch immer unverschlüsselt mit http auftritt. Google wird dies in absehbarer Zeit vermutlich abstrafen und auch die Nutzer werden wegrennen, wenn Browser fette Warnhinweise anzeigen werden. Aber auch das Design wirkt merkwürdig. Warum mache ich eine Navigation in einen festen Footer?

Fazit

Ich bin von den Webseiten und den damit verbundenen Strategien der deutschen Parteien schwer enttäuscht. Es reicht nicht, nur bei Facebook unterwegs zu sein. Ohne eine passende SEO-Strategie werden hier enorme Möglichkeiten einfach nicht genutzt – wohlgemerkt Möglichkeiten, die relativ günstig sind und anders als bezahlte Werbung keine laufende Kosten verursachen.

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