Wahlkampf

Wie Du Menschen überzeugen und Wahlen gewinnen kannst

Ein Wahlkampf ist eine aufregende aber auch anstrengende Zeit. Politik wird im Wahlkampf so richtig greifbar und es gibt plötzlich unzählige Möglichkeiten, sich einzubringen. Ein guter Wahlkampf muss aber gut geplant und organisiert werden! Auf dieser Seite gebe ich Dir einen Überblick über die wichtigsten Themen und Bereiche, die Du im Wahlkampf beachten solltest.

Wahlkampf

Warum ist Wahlkampf wichtig?

Wahlkämpfe gehören zu unserer Demokratie untrennbar dazu. Eine Wahl ist für unsere Gesellschaft ein sehr wichtiger Moment, in dem alle Bürger gemeinsam bestimmen können, wohin sich das Land entwickelt. Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert hat es besonders schön ausgedrückt: "Wahlen sind das Königsrecht der Demokratie, ein Hochfest."  Genau so sehen wir das auch!

Im Wahlkampf wird um Ideen, Positionen und auch um Personen gerungen und gestritten. Die Bürgerinnen und Bürger eines Landes bekommen so die Möglichkeit, sehr kompakt und direkt die Unterschiede der politischen Wettbewerber zu sehen und können sich so eine Meinung bilden - und am Ende eine Entscheidung für die Wahl treffen. Selbst wenn Du zwischen den Wahlkämpfen eine gute Arbeit leistest und die Menschen immer wieder über Dich und Deine Politik informierst, musst Du Dich an diesem Kampf der Ideen beteiligen. Das ist auch völlig in Ordnung! Wahlkampf hat heute oft einen negativen Klang. Immer wieder ist der Vorwurf zu hören, ein Thema würde "in den Wahlkampf gezogen". Ja, warum auch nicht? Genau dazu ist ein Wahlkampf ja da!

Wann beginnt der Wahlkampf?

Dann, wenn Du ihn beginnst! Es gibt keinen einheitlichen Beginn im Wahlkampf und es gibt auch keine Regel, wann es am besten wäre, den Wahlkampf zu starten. Einige wenige Bereiche sind rechtlich reguliert. Es gibt vor Ort immer genaue Regeln, ab wann Parteien und Kandidaten ihre Wahlplakate aufhängen dürfen und auch der Zeitpunkt, ab wann im Radio und im Fernsehen Wahlwerbung geschaltet werden kann, ist festgelegt. Diese Regeln sind aber überall unterschiedlich. Meistens beginnt diese sogenannte heiße Phase des Wahlkampfes aber etwa sechs Wochen vor dem Wahltermin.

Alles andere musst Du entscheiden. Dabei sollte Deine konkrete Strategie eine Rolle spielen und auch Deine Mitbewerber. Falls alle anderen schon munter gestartet sind, Du aber noch nichts machst, hat das auf jeden Fall Auswirkungen auf Deine Wahlkampagne.

Was der Wahlkampf kostet

Viel Geld! Ja, leider ist das so. Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, im Wahlkampf Geld zu sparen und kostengünstig zu arbeiten. Aber am Ende kostet ein Wahlkampf immer viel Geld. Es gibt so viel zu bezahlen: Plakate, Flyer, Fotos, Videos, Werbeanzeigen, Giveaways, der Kaffee für die Wahlkämpfer, Veranstaltungen und vieles mehr. Du solltest daher rechtzeitig ein Finanzkonzept für Deine Wahlkampagne erstellen und einen genauen Kostenplan aufstellen. Kaum ein Wahlkampf kommt heute noch ohne Spenden aus, auch diese solltest Du organisieren.

Wer bezahlt den Wahlkampf?

Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Zunächst einmal bezahlen alle Parteien und Kandidaten den Wahlkampf selbst. Die Parteien bekommen aber vom Staat einen bestimmten Betrag an Wahlkampfkostenerstattung. Dieser richtet sich in der Regel nach dem Wahlergebnis - je höher das Ergebnis ausfällt, desto mehr Geld bekommen die Parteien auch erstattet. Dieses Geld aber reicht niemals aus. Deshalb legen Parteien, Mandatsträger und Kandidaten bereits Jahre vorher regelmäßig Geld für den Wahlkampf beiseite. Auch Spenden sind im Wahlkampf extrem wichtig - werden aber sehr transparent angezeigt.

Die beste Wahlkampfstrategie

Wenn Du Dir über die beste Wahlkampfstrategie Gedanken machst, bist Du bereits vielen Voraus - denn viele starten in eine Wahlkampagne ohne jede Strategie. Wir erleben immer wieder, dass in ersten Sitzungen einer Wahlkampfleitung vor allem über die Zahl von Flyern und Plakaten gerungen wird, als über die passende Strategie nachzudenken. Mit der Strategie steht und fällt alles - und für eine Strategie brauchst Du zunächst erst einmal ein konkretes Ziel. Nur wenn Du genau weißt, was Du erreichen willst kannst Du auch entscheiden, wie Du dieses Ziel erreichen willst.

Eine bekannte Strategie für Aktionen und Kampagnen ist die sogenannte sogenannte AIDA Strategie. Sie besteht aus vier Phasen:

  1. Attention (Aufmerksamkeit)
  2. Interest (Interesse)
  3. Desire (Verlangen) und
  4. Action (Handlung).

Kreativer Wahlkampf

Machen wir uns nichts vor: Viele Wahlkämpfe sind heute extrem langweilig. Es wird also Zeit für einen kreativen Wahlkampf! Warum ist das so wichtig? Weil sich die meisten Wählerinnen und Wähler schon völlig an die herkömmlichen Kampagnen der Parteien und Kandidaten gewöhnt haben und sie daher oft kaum mehr wahrnehmen. Das ist ein großes Problem! Mit einer kreativen Wahlkampagne kannst Du diese durchbrechen und bekommst damit automatisch mehr Aufmerksamkeit als Deine Mitbewerber.

Es gibt kein Patentrezept für einen kreativen Wahlkampf - denn dann wäre er ja nicht mehr kreativ! Versuche Deine bestehenden Aktionen und die alten Strategien einmal zu hinterfragen und überlege, wo Du etwas anders machen kannst. Ein kreativer Wahlkampf muss überraschend sein. Er darf nicht der Norm entsprechen und muss vielleicht auch ein bisschen verblüffen oder anecken. Hab keine Angst vor Kritik - die wird es immer geben, wenn Du etwas anders machst und neue Ideen ausprobierst.

Ideen für den Wahlkampf

Wie kommst Du nun also an neue Ideen für den Wahlkampf? Das ist harte Arbeit und funktioniert im Team immer besser als alleine. Setz Dich mit Deinem Team zusammen und lass erst einmal alle ihre Ideen auf den Tisch werfen. Dabei kommen manchmal schon spannende Dinge bei heraus. Versucht, Dinge, die Ihr immer schon gemacht habt, einmal umzugestalten.

Wichtig ist nur, dass Ihr dabei Euer Ziel nie aus den Augen verliert. Manche Idee und manche Aktion mag zwar viele Menschen ansprechen und eine große Aufmerksamkeit bringen, ist dabei aber soweit von Eurem Ziel entfernt, dass es am Ende überhaupt nichts bringt.

Organisation - Planung ist alles für Deine Wahlkampagne

Eine gute Organisation ist für Deinen Wahlkampf extrem wichtig. Häufig wird es im Laufe der Kampagne so stressig, dass Du dann froh bist, wenn Du frühzeitig alles richtig organisiert und geplant hast. Dabei solltest Du auf ein richtiges Projektmanagement setzen! In der Regel verbraucht die Planung oft genau soviel Zeit, wie die spätere Aktion oder Kampagne.

Am wirkungsvollsten ist es, wenn Du den Wahlkampf in verschiedene Phasen einteilst und diese rechtzeitig vorbereitest. Die Organisations- und Planungsphase steht dabei meistens ganz vorne - sogar noch vor der Strategie. Denn Du musst ja auch planen und organisieren, wie Du die Strategie ausarbeiten willst. Idealerweise fängst Du mit der Organisation eines Wahlkampfes etwa ein Jahr vorher an. Das klingt nach einer Menge Zeit! Bedenke aber, dass für diese Zeit auch viel Arbeit wartet und manche Strategien nur mit viel Vorlauf funktionieren. Deshalb ist es so wichtig, mit der Organisation so weit im Voraus zu beginnen.

Das Wahlkampfteam: Gemeinsam sind wir stark

Ein Wahlkampf ist nur mit vielen Helferinnen und Helfern zu stemmen. Deshalb brauchst Du ein starkes Wahlkampfteam! Alles alleine machen funktioniert einfach nicht. Das Wahlkampfteam sollte schon frühzeitig gegründet werden, am besten dann, wenn Du mit der Organisation des Wahlkampfes beginnst.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Team zu besetzen. Schlecht wäre es allerdings, nur nach Proporz und örtlichen Strukturen auszuwählen. Denn in einem Wahlkampfteam sollten zunächst einmal die Menschen zusammenkommen, die vor allem eines können: Wahlkampf! Suche also vor allem nach Kompetenz, Talent und Einsatzbereitschaft aus. Du brauchst jemand, der sich mit Finanzen und Organisation auskennt. Du brauchst Mitstreiter, die gut fotografieren können und firm in Grafik und Layout sind. Du brauchst Onlinespezialisten. Und viele weitere. Erst dann solltest Du sicherstellen, dass das Team am Ende auch in den Gremien verwurzelt ist, mit denen Du im Wahlkampf zusammenarbeiten wirst.

Das Internet im Wahlkampf

Nur mit dem Internet wirst Du keinen Wahlkampf gewinnen - ohne gutes Onlinemarketing wirst Du den Wahlkampf in Zukunft aber verlieren! Dies ist eine sehr wichtige Erkenntnis aus den letzten Jahren und die Entwicklung Richtung Online-Wahlkampf beschleunigt sich immer mehr. Es reicht schon lange nicht mehr, eine Webseite zu haben und ein bisschen bei Facebook was zu machen. Ein guter Wahlkampf sollte heute zuerst online gedacht werden - und erst danach die Offlineaktivitäten integriert werden, angepasst an alles was online passiert. Über politisches Onlinemarketing kannst Du Dich hier informieren - und wenn Du einfach nur schnell fünf Last-Minute-Tipps für den Wahlkampf im Internet suchst, findest Du diese hier!

Plakate und Flyer für den Wahlkampf

Für viele gehören Plakate und Flyer untrennbar zum Wahlkampf dazu. Das ist auch völlig in Ordnung und es wird noch viel Zeit vergehen, bis dies vielleicht irgendwann einmal anders wird. Gerade Wahlplakate sind heute noch ein wichtiges Element in jeder Kampagne. Sie erreichen flächendeckend nahezu alle Menschen der Wahlkreise und können maßgeblich zur Mobilisierung und zur Meinungsbildung beitragen.  Aber das funktioniert nur, wenn sie gut gemacht sind! Ein neutral lächelnder Kandidat vor langweiligem Hintergrund bewegt einfach mal gar nicht und bringt Dich Deinem Wahlkampfziel daher auch keinen Meter näher. Du brauchst also ein gutes Konzept!

Plakate, Flyer und alle anderen Drucksachen müssen außerdem ansprechend gestaltet werden! Der Ehrenamtliche, der sich gerade mal neu in einem Layout Programm am Computer versucht - oder gar mit Microsoft Word etwas bastelt - ist hier immer eine schlechte Entscheidung! In der Regel solltest Du das Layout von Deinen Drucksachen in professionelle Hände geben.

Wie Infostände funktionieren können

Infostände sind für mich ehrlich gesagt oft ein Graus. Scheinbar sind sie überall gleich - und überall gleich erfolglos. Der klassische Infostand im Wahlkampf ist oft mehr Beschäftigungstherapie für die eigenen Parteimitglieder als wirklich Wahlkampf. Meistens höre ich das Argument: "Aber wir müssen doch Präsenz zeigen!". Das ist ja auch richtig, aber dann doch bitte professionell. Wie sehen Infostände denn heute in der Realität meistens aus? Ein Schirm oder Zelt und ein Stehtisch mit vielen Flyern und Giveaways um den dann die Wahlkämpfer stehen und sich mit sich selbst beschäftigen. Ein wirkliches Ziel verfolgt ein solcher Infostand nicht und könnte im Zweifel gerne weggelassen werden!

Damit ein Infostand funktioniert, musst Du genau entscheiden, was Du mit ihm erreichen willst. Dann musst Du ihn entsprechend gestalten und auch Zeit und Ort richtig wählen. Der Satz "Hier haben wir schon immer gestanden!" ist eher ein Argument für einen neuen Standort. Ein Infostand muss kommunikativ sein! Du musst auf die Menschen zugehen, offen sein und einen Weg finden, sie in großer Zahl neugierig zu machen und in irgendeiner Form anzusprechen. Dann klappt's auch mit dem Infostand.

Giveaways: Mit kleinen Geschenken zum Wahlerfolg?

Ähnlich wie Infostände werden auch Giveaways im Wahlkampf völlig sinnlos und ohne jedes Ziel eingesetzt. Nur weil ein Giveaway beliebt ist, heißt das noch lange nicht, dass es Dich Deinem Ziel näher bringt! Man kann sich einen Wahlsieg nicht erkaufen - auch nicht mit Kugelschreibern oder gar anderem Tinnef. Sei sparsam mit dem Giveaways und setze sie nur sehr zielorientiert ein. Im Grundsatz sollte immer eine thematische Verknüpfung vorhanden sein.

Hausbesuche: Tür zu Tür

Dieser Trend schwappt derzeit mit Macht aus den USA zu uns nach Europa: Im Wahlkampf bei den Menschen zuhause klingen und sie dort überzeugen. Der klassische Hausbesuch im Wahlkampf erlebt eine unglaubliche Renaissance. Aber der Tür zu Tür Wahlkampf birgt viele Gefahren und ist schwierig zu organisieren. Das Problem bei politischen Hausbesuchen ist, dass sie im Zweifel nicht nur nicht helfen - sondern sogar schaden können. Oberste Regel sollte daher sein, den Menschen an der Tür nicht unangenehm aufzufallen.

Wahlkampfveranstaltungen

Für eine erfolgreiche Wahlkampfveranstaltung ist es extrem wichtig, dass Du die richtige Zielgruppe im Auge hast. Die eigenen Parteifreunde sind in der heißen Phase des Wahlkampfes jedenfalls nicht das richtige Publikum! Veranstaltungen in irgendwelchen Hinterzimmern, nur weil man sich die frohe Botschaft irgendwelcher angeblicher Multiplikatoren erhofft, bringen leider überhaupt nichts. Du musst im Wahlkampf immer auf Masse setzen - Veranstaltungen mit nur wenigen Gästen helfen Dir nicht.

Empfehlung: Das beste Buch über Wahlkämpfe

Wenn Du Dich mit einem klassischen Buch informieren willst, wie Du Wahlen gewinnen kannst, habe ich eine Empfehlung für Dich: Meine beiden guten Kollegen Achim Möller und Gwendolin Jungbluth haben das Standardwerk für Wahlkämpfe schlechthin schreiben: "Wahlen gewinnen". Pflichtlektüre für alle Wahlkämpfer!

Hier erfährst Du wirklich alles, was Du wissen musst. Die Erfahrung der beiden Autoren aus über 750 Wahlkämpfen merkt man in jedem Kapitel.